Abschied von Adobe!?

Posted by on Mai 13, 2013 in Meinung | One Comment

Wie in den letzten Tagen, unter anderem auf Heise, zu lesen war, verabschiedet sich Adobe nicht nur vom traditionellen Box Verkauf seiner Creative Suiten, um seinen Kunden in Zukunft die Software ausschließlich als Download anzubieten, nein, zukünftig wird es die Adobe Suiten nur noch als Abo-Angebot geben. Die CS6 soll also die letzte käuflich zu erwerbende Creative Suite sein. Ich bin selbst Kunde bei Adobe und habe seit CS4 eine Master Suite, sowie als Fotograf eine legale Lightroom Version und bin daher direkt von dieser neuen Preispolitik betroffen. Jetzt wurde schon in vielen Blogs und auf etlichen Nachrichtenseiten über das Problem diskutiert, und detailliert wurde ausgerechnet, für wen es ökonomisch sinnvoll wäre, in die Creative Cloud zu wechseln. Aus diesem Grund möchte ich hier nicht noch einmal ein Rechenexempel ausführen, um festzustellen, dass in fünf Jahren die Kaufversion plus ein Upgrade und das Mietangebot gleich auf liegen. Vielmehr möchte ich generell auf das Problem eingehen, was ich ganz persönlich mit dem neuen Angebot habe.

An dieser Stelle muss sicherlich erwähnt werden, dass Adobe keine gemeinnützige Organisation ist, die Ihre Produkte zum Wohle ihrer Kunden entwickelt und vertreibt. Sondern Adobe ist ein Softwarekonzern, der einzig und allein daran interessiert ist, Profit zu erwirtschaften. Das ist legitim und völlig in Ordnung, solange es für Kunde und Konzern ein guter Deal ist, und man Ersteren nicht ans Bein pinkelt, so wie es jetzt der Fall ist. Im letzten Jahrzehnt hat sich Adobe eine quasi Monopolstellung auf dem Markt für Grafiksoftware erarbeitet. Ich kann mir gut vorstellen, dass in diesem Markt eine gewisse Sättigung eingetreten ist, so dass Adobe Probleme hat, Umsatz und Gewinn, durch den Verkauf neuer Lizenzen und Upgrades weiter in einem Maße zu steigern, wie es den Anteilseignern lieb wäre.
Gerade solch unerwünschte Kundschaft wie ich, die nicht bereit ist, für  – aus meiner Sicht – teilweise belanglose Updates sehr viel Geld zu bezahlen, muss gierigen Managern ein mächtiger Dorn im Auge sein. Aus diesem Grund wurde dann letztes Jahr die neue Upgrade Policy vorgestellt, laut der man seine Suite nur noch von der Vorgängerversion kostengünstig upgraden kann. Doch das war scheinbar noch nicht genug Geld. Jetzt will man mich monatlich abmelken. Und nachdem man mich jahrelang abgemolken hat, gehört mir… ja was? Gar nichts!!!! Diesen Fakt, kann man gar nicht laut genug in die Welt schreien. Die Leute, die sich jetzt vor Freude auf die Schenkel klopfen, wie „billig“ man doch nun an eine legale Photoshop Lizenz kommt, sollten sich vor Augen führen, dass sie hier gar nichts kaufen. Und nachdem man monate- oder  jahrelang gezahlt hat, und man vielleicht eine Rate, aus was für Gründen auch immer, nicht bezahlen kann, wird einem der Hahn abgedreht.
Meine gekaufte Lizenz läuft dann übrigens immer noch!
Als kleiner Freelancer kann es immer passieren, dass man einmal ein oder zwei Monate so wenig Geld hat, dass einem 92,-€ für die Master Suite richtig weh tun. Und wenn man sich, von derzeitigen Lockangeboten abgesehen (25,- €/mtl. für CS6 Besitzer), einmal die Frage stellt, wie Adobe in Zukunft seinen Umsatz steigern wird, wenn alle Kunden ein Abo haben, nicht mehr weg können und quasi an der Nadel hängen, könnte man schnell auf die Idee kommen, dass die Abopreise nicht stagnieren werden. Begründet wird das dann sicher mit tollen, neuen Features. Nur, das man sich früher entscheiden konnte, ob man die braucht oder nicht, und gegebenenfalls mal ein Upgrade auslässt. Ich kann hier alle, die das lesen, nur bitten, sich genau zu überlegen, ob man diese Knebelei mit machen möchte, und in Zukunft Software nur noch mieten kann, oder einem der Kauf einer Lizenz mit allen Vorteilen doch lieber ist. Hier noch ein Link zu einer Petition gegen den Cloud Zwang von Adobe.

Als weiteres Totschlagargument für die Cloud wird auch immer die höhere Flexibilitat genannt, die man ja mit einem Abomodell hat. Schließlich kann man ja jederzeit kündigen und bei Bedarf wieder zahlen. Doch in der Praxis ist das natürlich Quatsch. Denn aus meiner eigenen, langjährigen Erfahrung kann ich sagen, dass man die Nutzung seiner Tools nicht monatsweise planen kann. Außerhalb der Hochzeitssaison benötige ich mein Photoshop vielleicht drei oder vier Stunden im Monat. Nicht viel. Vielleicht hier und da mal ein Foto bearbeiten, das war’s. Aber lohnt sich deswegen eine Monatsmiete? Oder verschiebe ich diese kleinen Arbeiten dann aufs nächste Quartal, weil ich dann ja wieder mein Abo aktiviere? Nein, natürlich nicht. Ich werde Monat für Monat brav mein Abo zahlen, weil es einfach ärgerlich ist, wenn man seine Werkzeuge, auch für kleinere Arbeiten, nicht zur Verfügung hat.

Für mich steht jedenfalls fest, dass ich auf gar keinen Fall meine Software mieten werde. In jedem BWL Grundkurs kann man lernen, dass Fixkosten zu vermeiden sind. Hier handelt Adobe auch ökonomisch, langfristig massiv gegen die Interessen seiner Kunden, um seinen eigenen Profit zu maximieren, und alle Kunden in eine alternativlose Abhängigkeit zu treiben.

Und wenn dann gar nichts mehr geht, dann wird es eben Gimp werden. Alles ist besser, als sich dieser unsäglichen Preispolitik von Adobe zu unterwerfen.

1 Comment

  1. Manfred Wesemann
    Juni 4, 2013

    Adobe hat Jahrelang zugesehen, wie sich Raubkopien verbreiten, ohne einen wirklichen Schutz (z.B.Hardwaredongel etc.) als Lizenz zu implementieren. Das Argument, den Raubkopierern einen Riegel vorzuschieben, kann ich kaum nachvollziehen. Jetzt, wo Photoshop so weit verbreitet ist, ist natürlich auch die Abhängigkeit der User enorm. Diese Abhängigkeit wird von Adobes Monopolstellung nun ausgenutzt. Ein Umstieg auf andere Programme ist eben nicht so einfach gemacht. Gimp ist für mich keine Alternative. Man denke nur an den Workflow von Photoshop und die vielen Stunden Arbeit, die man in dieses Programm investiert hat, bis man es einigermaßen beherrscht hat. Die alten Dateien sind zudem nicht mehr zu benutzen, wenn man das Abo kündigt. Die Folge: Lebenslange Miete – oder Verzicht! Das Problem der Creativ Cloud ist, dass man keine Lizenz mehr dauerhaft nutzen kann, ohne dafür dauerhaft zu zahlen. Das ist unseriös und es ist zugleich auch beschämend, an solche Knebelverträge überhaupt aus Herstellersicht zu denken.

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